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Kann ich mal die Chefin sprechen?
ARTIKEL VON BIRGIT POPPKE ibusiness/Hightext Verlag

Als wir vor drei Jahren das erste Mal eine Untersuchung über Führungsfrauen in der Multimedia-Industrie durchgeführt haben, war das Ergebnis erschreckend. Nur sieben Prozent aller Multimedia-Geschäftsführer war weiblich. Ein Schlag ins Selbstbild der Branche, waren doch Metzgerhandwerk und Bauindustrie eindeutig frauenfreundlicher als die interaktive Zukunftsindustrie. Drei Jahre und viele tausend Firmengründungen später liegen die Metzgerinnen immer noch in Front.

Young-Girls-Network? [mehr]

Oder eher die Boys? [mehr]

Frauen und Technik [mehr]

Was sagen die Frauen? [mehr]

...und die Wissenschaft [mehr]

Was tun? [mehr]

Das Ergebnis der Untersuchung verdeutlicht einmal mehr die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Newmedia-Branche (besonders modern, unkonventionell und eine gute Chance für Frauen) und der Wirklichkeit fernab des Hypes. Waren es vor drei Jahren sieben Prozent, so sind es nun immerhin 14,5 Prozent der Multimedia-Unternehmen, die von einer Frau geführt werden. "Eine Verdoppelung des Anteils", können die Optimistinnen jubeln. Für die nicht mit rosaroten Brillen Ausgestatteten bleibt die Erkenntnis, dass es von einer Talsohle ohnehin in jede Richtung nur aufwärts geht.

Schließlich ist im bundesdeutschen Schnitt jede fünfte Führungskraft eine Frau - und da werden - im Gegensatz zur iBusiness-Untersuchung - die Kleinbetriebe unter fünf Angestellten nicht mitgezählt, die traditionell sehr oft von Frauen geführt werden. Der Grund für die Steigung von 1997 bis heute ist darum hauptsächlich im Internet- und Electronic-Commerce-Gründungsboom zu suchen. Und es sind auch innerhalb dieses Booms eher die kleinen Unternehmen, die von Frauen gegründet werden. In den etablierten Multimedia- und Internet-Agenturen hingegen, das belegen die Zahlen, ist der Anteil der Frauen in den Führungsetagen sogar gesunken.

Young-Girls-Network?

Noch erfolgreicher als die Old-Boy-Networks - deren Einfluss die Frauen in der Industrie stets beklagen - scheinen die Young-Boy-Networks der hippen Knaben mit Notebook, Designersonnenbrille und online gekaufter Krawatte zu sein. Schade eigentlich, dass durch solche ärgerlichen Fakten das schöne Bild so gestört wird, dass die Marktforscher malen. Der Erfinder hipper Wörter, der selbsternannte Trendforscher Matthias Horx beispielsweise präsentiert auf seinen Vorträgen in den Führungsetagen seiner Kunden das 21. Jahrhundert stets als Jahrhundert der Frauen, der Älteren und des Wissens: "Frauen werden die Chefetagen stürmen", so sein Slogan. Und wo immer ich mich in den letzten Wochen in Sachen ‚Frauen und Multimedia' umgetan habe, stieß ich auf Rosarotes: "Frauen haben einen höheren EQ (emotionale Intelligenz), sind teamfähiger und es gelingt ihnen geschickter andere zu motivieren. Dies weist sie als moderne Führungspersönlichkeiten fern von hierarchischem Machtdenken aus." berichtet mir die Freundin Studie ‚Millenniumsfrauen'. Die Frau im Aufwind der Informationsgesellschaft. Das stärkere Geschlecht gar, weil besser gerüstet durch Kommunikationsfähigkeit und "Soft Skills"?

Veränderte Strukturen und ein gleichberechtigtes Klima scheinen den Weg der Frauen in die Führungsetagen zu ebnen: "Zusehends wandert Arbeit in den Haushalt, und in den Unternehmen wird mehr und mehr gelebt. In den neuen 24-Stunden-Metropolen der Welt arbeiten immer mehr Menschen asynchron, nachts, sporadisch, in Schüben. Firmen organisieren ihre Designprozesse entlang von Breitengraden, von Tokio über London nach New York" visioniert Trendforscher Horx.

Selbst Insiderinnen sind von positivistischer Euphorie nicht geschützt: "Der Trend der Wirtschaft geht allgemein in die Richtung Frauen", schätzt auch Martina Kadenbach, die ihre Firma Kiwi repro 68 interaktive medien GmbH zusammen mit zwei Männern leitet. "Das Arbeiten in modernen Teams und flexible Arbeitszeiten kommen Frauen entgegen", begründete sie ihre Einschätzung mir gegenüber.

Oder eher die Boys?

Doch kaum gräbt frau ein bisschen tiefer, schon tauchen die ersten Studien auf, die am Rosarotton kratzen und die verdeutlichen, dass auf der Wegstrecke ins goldene interaktive Gleichberechtigungsland noch unzählige Kilometer zurück zu legen sind: Die Hoppenstedt-Analyse‚ Frauen im Management untersuchte den Anteil von Frauen im Top- und Middle-Management von großen und mittelständischen Internet-Unternehmen. Diese Untersuchung, die auch die großen Telekommunikations- und IT-Unternehmen umfasst, verdeutlicht Traditionelles: Um so größer das Unternehmen desto weniger Frauen an der Spitze. Im Durchschnitt sind zehn Prozent Frauen Mitglied der oberen Managementriege bei großen bzw. mittleren Unternehmen.

Der bescheidene zahlenmäßige Frauenzuwachs in den führenden Positionen der Multimedia-Industrie ist demnach eher dem Gründungsboom der letzten Jahre als dem emanzipatorischen Aufbruch zu verdanken: Derzeit wird jedes dritte Unternehmen von Frauen gegründet. 85 Prozent von ihnen gründen im Dienstleistungsbereich, davon sehr viele auch im Bereich der interaktiven Medien.

Vorteil von New-Media-Gründerinnen gegenüber ihren männlichen Mitbewerbern: "Frauen bereiten sich sehr gut vor und sie halten das kalkulierbare Risiko lieber klein. Frauen sind eher bereit, Seminare und Beratungsangebote zu nutzen. Jedoch sind sie nicht bereit, größere Kosten zu übernehmen, beispielsweise für die Einschaltung einer Unternehmensberatung", erzählte mir Claudia Franke, Leiterin der Hafex Wirtschaftsförderung Hagen GmbH.

Die Analyse des multiMEDIA Jahrbuchs 2000 bestätigt, dass drei von vier Unternehmen, die von Frauen geführt werden, weniger als sechs Mitarbeiter haben. Gleichzeitig, so eine weitere Erkenntnis, verringerte sich der Gesamtanteil der Frauen insgesamt in der Branche von 40 auf 25 Prozent und liegt nun erstmals unterhalb der gesamtdeutschen weiblichen Beschäftigungsquote. Ohne die kleinen Betriebe hinzu zu rechnen, dürfte der Anteil der Frauen in den Führungsebenen der Newmedia-Industrie noch unter dem bundesweiten Durchchnitt von acht Prozent liegen, der für die deutsche Großindustrie errechnet wird.

Frauen und Technik

An der Ausbildung liegt es wohl nicht: "Noch nie gab es soviel gut qualifizierte Frauen in Deutschland wie heute. 55 Prozent der Abiturienten sind junge Frauen. Bei den Universitätsabsolventen liegt der Frauenanteil bei 46,4 Prozent. Hinzu kommt, dass die erreichten Noten der Frauen im Durchschnitt besser sind als die der Männer.

Dies spiegelt sich aber nicht wieder in den Positionen, die Frauen in der Wirtschaft einnehmen oder in den Zahlen der Selbständigen", schreibt Bundesfrauenministerin Bergmann. Die Frauen haben die Männer also in puncto Bildung überholt.

Tatsache ist jedoch, dass Frauen nur schwer für sehr techniklastige Ausbildungen zu begeistern sind. Und die deutschen Frauen stehen sich besonders schlecht mit der Programmierkunst und dem Aufbau von Netzwerken. Deshalb studieren sie ungern Informatik (nur jeder siebte Studienanfänger ist weiblich), ein Studiengang, der immer noch als Eintrittskarte in die Branche gehandelt wird.

Waren in den 70er Jahren noch rund 30 Prozent der Informatik-Studierenden weiblich, sind es heute gerade noch acht Prozent. Als Grund sehen Fachleute die geschlechtsspezifische Sozialisation, die sich vom Elternhaus über die Grundschule bis in die Gymnasien fortsetzt. Es bilden sich jedoch nach und nach auch differenziertere Studiengänge heraus, wie etwa Medieninformatik, in denen sind wiederum mehr Frauen zu finden.

Die TAZ diskutierte kürzlich, ob die Abneigung der Frauen gegen reine Informatik eher etwas mit dem Widerwillen der Frauen gegenüber dem Klischee des verpickelten, körperlosen, hirnlastigen Computerfreaks zu tun haben könnte, das den Programmierern und Informatikern immer noch anlastet, als mit einem wirklichen Desinteresse dem Thema gegenüber.

Nach vom Institut für Informatik und Gesellschaft erstellter Statistik liegt der Frauenanteil in Computerstudiengängen in Großbritannien bei 24 Prozent, in Irland bei 23 Prozent und in Zypern sogar bei 36 Prozent. Sogar im als rückständig geltenden Indien zieht die Software Branche in Scharen die Frauen an. Was Ashol Soota, Vizepräsident des Software-Giganten Wipro kaum glauben konnte: Im Rahmen der jüngsten Bewerbungsphase hat sein Unternehmen den Kandidaten eine Reihe von Tests unterzogen. Von 50 Studenten, die sich qualifiziert haben, waren nicht weniger als 45 Mädchen. Dabei sind 85 Prozent der indischen Uni-Absolventen Männer. "Wir konnten es erst nicht glauben", so Soota, "aber das zeigt wie sehr der digitale Fortschritt unsere Gesellschaft schon verändert hat", schreibt kürzlich der Net-Investor.

In Deutschland klagen drum die Pessimistinnen denn auch über den Nachholbedarf der Frauen im gesamten Multimedia-Bereich und sagen ihnen auf lange Zeit einen Platz in der zweite Reihe voraus, wenn Vater Staat nicht unmittelbar Fördermaßnahmen fördert. Schließlich tut dieser zuwenig für seine Töchter: Deutschland hinkt, was die beruflichen Chancen für Frauen angeht, erwiesenermaßen weit hinter anderen Ländern her. "In anderen Ländern sind die Chancen für Frauen berufstätig zu sein und damit auch Karriere zu machen, viel besser", schimpft beispielsweise Beate-Knust Bentzien, Leiterin Bentzien Kommunikation GmbH.

Was sagen die Frauen?

Könnte sich also für die interaktiven Medien wirklich die prophezeite neuartige Dynamik entwickeln, die die industriellen Hierarchien zu Gunsten der Frau verändert? Spitzenfrauen scheinen zumindest von ähnlichen Vorstellungen aus zu gehen, wenn sie sagen, dass die Branche trotz aller anderslautenden Zahlen eine wirkliche Chance ist. "Es gibt keine Branche, in der es so viele gute Frauen gibt", versucht mich Stefanie Hamm von der Ision AG zu überzeugen.

Auch Heike Pohl, Assistentin der Geschäftsleitung der Münchner Fullservice-Agentur Medialab, ist ebenfalls der Überzeugung, das die Branche sehr frauenfreundlich ist: "Wir arbeiten alle auf einem hohen emotionalem Level, das kommt Frauen sehr entgegen."

In den modernen Teams der multimedialen Produktion kann man offensichtlich auf die typisch weiblichen emotionalen Kompetenzen nicht verzichten. "Wenn die Technik erst einmal etabliert ist, haben Frauen ihre wirkliche Chance. Dann sind nämlich die "Soft Skills" gefragt", prophezeit mir Cornelia Mockwitz von T3 Medien aus Hamburg.

Gemeint sind Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist im Gegensatz zu Konkurrenzverhalten und Einzelgängertum. Denn: "Es kommt auf eine erfolgreiche Kooperation an und nicht auf die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Fähigkeiten von Männern und Frauen," sagte mir Helga Waterkotte, Geschäftsführein der Elephant Seven GmbH . Die "Soft Skills" aber sind bei jeglicher erfolgreichen Kooperation die entscheidenden Komponenten.

"Die Strukturen sind nicht so verkrustet, das erhöht die Kreativität", argumentiert auch Ute Weihmüller von der Media Factory. "Die typischen Frauenqualitäten sind sehr gefragt, Technik ist allerdings Männersache", weiß Katja Hoffmeister von der Berliner Virtual Heaven. Das lässt Raum für Optimismus: "Die Verteilung der Geschlechter, auf der Führungsebene wird sich immer mehr in Richtung 50:50 bewegen", glaubt beispielsweise Tanja C. Krainhöfer Chefin der Münchner New media Concepts GmbH. Das findet auch Barbara Geissinger, Geschäftsführerin von Uni-x: "Durch die flachen Hierarchien haben Frauen nur Vorteile".

Andere Spitzenfrauen sind da nicht so optimistisch: "Multimedia ist fest in männlicher Hand", ist Renate Guenther von Y-Design Neue Medien aus Mettmann überzeugt. "Frauen haben es schwer, denn sie haben immer noch große Berührungsängste und sie sollten sich anders benehmen, nicht so lethargisch sein", kritisiert sie ihre Branchen- und Geschlechtsgenossinnen.

Resultiert das Frauenhandicap an der allseits bekannten geschlechtsspezifischen Rollenverteilung? Eine Reihe von Führungsfrauen, mit denen ich gesprochen habe, waren dieser Meinung. Dorothea Feurer, Geschäftsführerin der Medienmacher GmbH beispielsweise: "Bis zu einem gewissen Alter, sind die interaktiven Medien schon eine Chance für Frauen, mit einer Familie wird es dann aber extrem schwierig", analysierte sie. Eine Position die Stefanie Hamm von der Ision AG aus Lübeck unterstützt: "Bei Kindern steigen die Frauen aus oder wechseln die Branche".

Dass der familienbedingte Karriereknick in der Newmedia-Industrie besonders fatal ist, liegt an der hoch-gehandelten Schnelllebigkeit der Branche. Während ein Internet-Jahr vor einem Jahr noch 4,7 Kalenderjahre beschrieb, so werden zur Zeit aus einem Internet-Jahr schon sieben normale Jahre gemacht. Diese Zeitrechnung wirkt sich in besonderer Weise auf die Familien aus. Es sind nämlich die Multimedia-Spezialistinnen, die zu 98 Prozent in den Erziehungsurlaub gehen - nicht die Spezialisten. Nur ein Jahr draußen zu sein, bekommt bei der interaktiven Zeitrechnung aber eine Dimension, die keiner mehr einschätzen kann. Frauen mit Baby fliegen aus der Kurve. Genau das aber wollen viele Agenturen und Internet-Unternehmen in jüngster Zeit nicht zulassen. Der Arbeitskräftemangel zwingt sie, eigenständig Maßnahmen zu erfinden. Diese Firmen tun fast alles, um ihre gut eingearbeiteten Mitarbeiterinnen zu halten. Nur wenige können einen eigenen Kindergarten anbieten, die meisten versuchen fast demütig ihre Mitarbeiterinnen durch ein hohes Maß an Flexibilität zu halten. Ein Homeoffice, Telearbeit, Kinderfreundlichkeit, freie Zeiteinteilung und viel Verständnis bringen den erwünschten Erfolg: "Das ist ein heißes Thema zur Zeit, wir suchen nach speziellen Möglichkeiten um die Frauen zu halten", versichert Dorothea Feurer von den Medienmachern aus Ludwigsburg.

Doch die Frauen selbst scheinen trotz allem eher der Einstellung von Katja Hoffmeister (virtual heaven) zu zu stimmen:"Familie, das sollte man sich gut überlegen. Die meisten Frauen kriegen hier keine Kinder". Der branchenübergreifende Grund: "Bei Kindern können sie nur mit der mangelnden Unterstützung der Männer rechnen", weiß Renate Guenther.

Die Multimedia-Männer werden von den Führungs-Frauen zwar als aufgeschlossen und tolerant beschrieben (beispielsweise haben sie nicht das Problem ihrer Väter, Frauen prinzipiell nicht als Führungspersönlichkeiten zu akzeptieren), doch sie sind eher zögerlich bereit, sich auch um ihre eigenen Kinder zu kümmern. Immer, wenn frau an der Welt verzweifelt, stößt sie dann doch auf positive Beispiele.

So arbeitet die Agentur T3 Medien zur Zeit drei Teilzeitverträge für Männer aus, die sich auch familiär betätigen wollen. Bloß: Damit sind die Hamburger schon fast Anwärterin für den familienfreundlichsten Multimediabetrieb 2000, so selten ist das zu finden. Auch ein Exemplar der Gattung ‚familienbewusster Mann' wie Ulrich Kaspereit, Vater und Programmierer, der sich sieben Jahre abwechselnd mit seiner Frau gewissenhaft um seine Kinder kümmerte, sollte unter Naturschutz stehen, so selten ist er zu finden. "Die wichtigste Erfahrung bei unserem selbstgestrickten Modell war für mich, dass es funktioniert!" erzählt er begeistert seine Erfahrungen. "Flexible Arbeitszeiten für Männer und Frauen wären wünschenswert, denn beide Partner sind immer mehr an ihrem Job und der Familie gleichermassen interessiert".

...und die Wissenschaft??

Nach Ansicht von Wissenschaftlern würde Flexibilität zwischen Arbeit und Familie in den Zukunftsbranchen nicht nur der Karriere der Frauen zugute kommen, sondern könnte die Deutschen auch erfolgreich auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft begleiten. Die Bremer Soziologin, Helga Krüger bescheinigt den Deutschen besondere Probleme bei der anstehenden Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft: "Im Gegensatz etwa zu den Amerikanern werden die Deutschen sich zu einer Dienstleistungsgesellschaft auf zurückgebliebener Ebene entwickeln, gestützt auf ein Geschlechterverhältnis mit typischer Organisation der Haushaltsarbeit und Niedriglohnbeschäftigung der Frauen im Dienstleistungssektor. Während in den USA das Dienstleistungsmodell mit einer neuen Polarisierung der Beschäftigungs- und Einkommensstruktur einhergeht, die beide Geschlechter gleichermaßen betrifft."

Das bedeutet: Eine erfolgreiche Dienstleistungsgesellschaft wird sich eben dadurch auszeichnen, dass die sogenannten weiblichen Fähigkeiten nicht im privaten Raum verschwinden, sondern wirtschaftlich adäquat genutzt werden.

Dem ist hierzulande nicht so. Zumindest nicht in der (der Multimedia-Industrie nahe verwandten) IT-Landschaft: "Die Branche sucht in erster Linie Mitarbeiter mit Berufspraxis. Über diese verfügen Absolventen von Hochschulen und Weiterbildungsmaßnahmen noch nicht. Den Bewerbern fehle es oft an Kompetenzen aus dem Bereich der "Soft Skills" (Teamfähigkeit, Fremdsprachenkenntnis)", heißt es in einer aktuellen Arbeitsmarktanalyse für den IT-Bereich der Computerzeitschrift C`T.

Es scheint den Frauen nach wie vor nicht bewusst zu sein, wie hoch die ihnen zugesprochenen Fähigkeiten zukünftig gehandelt werden. "Frauen bedanken sich, wenn man sie gut behandelt und nicht auf sie verzichten will. Sie bedanken sich für eine Selbstverständlichkeit", erzählt mir Martina Kadenbach immer noch erstaunt. Ich staune mit, obwohl ich es eigentlich inzwischen besser wissen müsste. Die in der Branche nur selten erfolgsverwöhnten Frauen stellen einfach keine Ansprüche: "Eine Machtübernahme wird nicht angestrebt. Die modernen Amazonen kämpfen nicht gegen die Männer sondern mit ihnen. Es geht ihnen nicht um Macht, sondern um Unabhängigkeit. Moderne Amazonen sind stark aber nicht hart," formulieren es die Anzeigenmänner der ‚Freundin', die die Studie ‚Milleniumsfrauen' in Auftrag gegeben haben, positiv.

Ärgerlich für alle Beteiligten: Machtausübung lässt sich bei einer Führungsposition leider nicht vermeiden.

Aus diesem Grund sind es vielleicht auch die Frauen, die sich erst daran gewöhnen müssen, wenn es zukünftig heißt: "Kann ich mal die Chefin sprechen?".

Doch bis es so weit ist, dauert es wohl noch mehr als noch einmal drei Jahre. Im Deutschen Multimediaverband DMMV zum Beispiel steht es gegenwärtig für die Frauen noch branchenadäquat schlecht. 0:3 (Präsidium) 0:10 (Board) und 1:18 (Arbeitskreise). Immerhin: bei den DMMV-Hauptamtlichen ist es mit 7:9 knapp.

Was tun??

Ein Großteil der Führungsfrauen die ich befragt habe, fragten mich nach Unternehmerinnennetzwerken, da sie sich an der Spitze der Multimedia-Branche oft einsam fühlen. Doch die vorhandenen Netzwerke arbeiten leider noch nicht so effektiv wie sie vielleicht könnten. 5.000 Aktivistinnen zählt beispielsweise nach eigenen Angaben die bei den Münchner Argonauten angesiedelten und (frauentypisch) eher unauffällig agierende Netzwerk Webgrrls.de. Ob sich Multimedia und Internet wirklich zu einer Chance für Frauen entwickelt, liegt zu großen Teil an den Frauen selbst. Frauen, die nach oben möchten, sollten sich permanent informieren und ein neues Selbstbewußtsein entwickeln. Schließlich geht es um Medien, nicht um Technik. Und: Frauen, die es geschafft haben, sollten unbedingt Mentorinnen werden.