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was wir so wissen...
ARTIKEL VON BIRGIT POPPKE www.womanticker.net
Ich habe heute das Editorial eines Kollegen gelesen: Gernot Körner vom
Velberim OZ-Verlag. Dieser Verlag publiziert das Magazin "Paps". Paps wird überall mit Wohlwollen betrachtet.
Außer von den harten Männern natürlich. Warum? Weil das Magazin für Väter sich mit Themen beschäftigt wie
"Was wissen Väter von ihren Kindern?", "Vaterlose Gesellen" oder "Ein Partner macht noch keinen Papa".
Mit Vätern werden Interviews geführt, Thema: Ihre Söhne (Nr.1/2002).
Dieses Magazin kommt mir vor, wie mein Spiegelbild:
Männer und Kindererziehung, Frauen und Neue Medien sind keine alten Freunde aus dem Kindergarten.
Nun zum Editorial von paps (www.paps.de/).
Körner, Verlagsleiter dieser "Welt der Väter" schreibt sehr authentisch aus der Perspektive der Väter:
Wenn er so am Wochenende mit seinen Kindern spazierengehe, dann falle ihm auf, dass er weniger über sie weiß,
als die Mutter der Kinder. Er wisse auch, woran das liegt, denn er verbringt weniger Zeit mit ihnen als die Mutter.
Ja, er sei fünf Tage die Woche "zur besten Tageszeit" im Büro,
bei seinem Verlag, der ein Magazin über Väter herausbringt. Und da fühle er ein schlechtes Gewissen.
Und er akzeptiere auch gerne die abendfüllenden Diskussionen mit seiner Frau über seine mangelnde Zeit für
die Familie.
Dann - nachdem er ihm aus der Seele gesprochen hat - wendet er sich vertrauensvoll direkt an seinen Leser: "Ich darf Ihnen versichern, es geht uns fast allen so". Ein Schwein sei,
ergänzt er, wer sich da nicht elend fühle. Aber so elend, - er widerspricht sich - fühle er sich gar nicht.
Schön, gerne hätte er mehr Zeit für Frau und Kinder (...): "Doch auch mein Beruf macht mir Spaß
und gibt mir vieles, was ich nur hier bekommen kann. Auch das bin ich." So müßten wir, empfiehlt er den rezipierenden Vätern,
weiterarbeiten an dem richtigen Gleichgewicht, bis wir es gefunden haben.
Ich erkenne: Ein Mann, ringend um die Work-Life-Balance. Zerrieben zwischen seinen Pflichten als "Paps"-Verlagsleiter
und als Paps in der Realität. Ein vertrautes Gefühl durchflutet mich. Oder?
Darf ich mich kurz vorstellen?
Ich bin Birgit Poppke. Ich schreibe Artikel über die Neuen Medien. Das wird auch meistens mit Wohlwollen betrachtet:
Außer von den harten Männern natürlich. Warum? Weil ich mich mit Themen wie "Was wissen Frauen von der IT?",
"Techniklose Mädels" oder
"Eine gute IT-Ausbildung macht noch keine Karriere-Frau" beschäftige. Ich führe auch Interviews mit prominenten Frauen. Thema:
ihr Mulitmedia-Beruf.
Auch mir fällt es nicht schwer, mich ganz in meine Leserin zu versetzen: Wenn ich so am Wochenende durch das Internet streife, dann
fällt mir auf, dass ich über das Thema Internet weniger weiß, als mein Mann. Ich weiß auch woran das liegt:
Ich verbringe weniger Zeit mit dem Internet als mein Mann. Immerhin verbringe ich jeden Tag acht Stunden zur besten
Tageszeit im Büro.
Meistens fühle ich ein schlechtes Gewissen. In einer modernen Welt sollte sich eine Frau mit dem Internet befassen und den
Männern in nichts nachstehen. Und so akzeptiere ich gerne die abendfüllenden
Gespräche mit meinem Mann über meine mangelnde Zeit mit Internet und der IT,
in denen er mir dann auch viel berichtet, über die Welt, von der er einfach mehr weiß.
Würde er mir nicht insgeheim so viel über das Internet erzählen, wie könnte ich sonst kompetent
einen Internet-Informationsdienst herausgeben?
Abschließend wende ich mich vertrauensvoll an meine Leserin: Ich muß zugeben, auch ich fühle mich gar nicht elend.
Und schon gar nicht wie ein Schwein. Im Gegenteil: An dieser Stelle durchrieselt mich immer wieder das vertraute Glücksgefühl:
Glücklicherweise haben wir Männer und Frauen einander. Die Frauen berichten abends den Paps-Verlagsleitern von der
Alltagsrealität mit den Kindern und die Männer berichten den weiblichen Multimedia-Redakteurinnen von der kühlen Welt
des Internets.
[BP 2002]