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Interview mit der Künstlerin Karin Ulrike Soika
ARTIKEL VON BIRGIT POPPKE www.vertikult.de

Die Künstlerin Karin Ulrike Soika, Initiatorin und Betreiberin des Portals Bilderpool.org, möchte neue Wege finden, Kunst an die Menschen zu bringen - und sie unter anderem vermieten.

Gleich zu den Antworten:
Wie ist das Portal www.Bilderpool.org entstanden?

Was kann der Bilderpool leisten?

Wie können Künstler/innen teilnehmen?

Wie ist die Kunstvermittlung eingebunden?

Was ist Ihre Vision für Bilderpool? Was ist Bilderpool in fünf Jahren?

Redaktion: Frau Soika, wie ist das Portal www.Bilderpool.org entstanden?

Karin Ulrike Soika: Im Sommer 2004 war ich in Verhandlungen mit einer Münchener Software Firma um deren Geschäftsräume mit meinen Arbeiten auszustatten. In diesem Zusammenhang brauchte ich ein Geschäftsmodell und Verträge. Das Material jedoch, das ich bei meinen Nachforschungen on- und offline fand, war dürftig und unübersichtlich. Zugleich bekam ich aber das Gefühl, dass die Vermietung von Kunstwerken an Privat- und Geschäftskunden für alle Beteiligten von Vorteil sei. So entschloss ich mich, bilderpool.org als Non-profit-Website ins Netz zu stellen, um so die Rahmenbedingungen für eine solche Zusammenarbeit zu veröffentlichen.

bilderpool.org ermöglicht den Kontakt zu Künstler/innen und es gibt dort alle Informationen und Unterlagen, die zur Abwicklung von Kunstvermietung notwendig sind: Verträge, Formulare, ein Preismodell und Antworten auf häufig gestellte Fragen.

bilderpool.org selbst vermittelt bzw. vermietet jedoch keine Kunst(und verlangt insofern auch keinerlei Provisionen), alle Kontakte und ggf. Verträge finden immer direkt zwischen den jeweiligen Künstler/innen und dem Kunstmieter statt. So wird Kunstvermietung zu sehr günstigen Preisen möglich.

In manchen Fällen wird es dennoch sinnvoll sein, kompetente Berater/innen (wie Kuratoren, Art Consultants oder Galeristen) hinzuzuziehen, gerade wenn es sich um komplexe Gestaltungsaufgaben oder sehr große Projekte handelt. Deswegen gibt es seit Herbst 2005 auf bilderpool.org eine Liste professioneller Berater/innen und Anbieter/innen von speziellen Kunstsammlungen, die in solchen Fällen gegen entsprechendes Honorar hinzugezogen werden können.

Redaktion: Was kann der Bilderpool leisten?

KS: Leider hat Kunst oft eine Aura des Elitären um sich, sie steckt quasi im "Elfenbeinturm". Das finde ich sehr schade, denn letztendlich wird Kunst für Menschen gemacht - und nicht fürs Lager. Viele Menschen, die bisher wenig Berührungsmöglichkeiten mit Kunst hatten, fühlen sich allerdings überfordert, wenn sie in einer Galerie oder bei einem Atelierbesuch die Entscheidung für ein Kunstwerk treffen sollen, das sie dann während der nächsten Jahre und Jahrzehnte begleiten wird. Fehlkäufe gibt es nicht nur bei Schuhen und Kleidung, auch bei Kunstwerken kann man sich - leider oft teuer - vergreifen, und stellt nach ein paar Tagen und Wochen fest, das die Arbeit nun doch nicht so ideal zum eigenen Lebensgefühl passt.

Kunstmiete ist da eine gute Alternative, denn die Folgen einer Fehlentscheidung (oder auch der Veränderung des eigenen Geschmacksempfindens) werden abgemildert. Man kann gewissermaßen "zur Probe" mit Kunst leben - und zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob man kaufen oder doch lieber etwas neues ausprobieren möchte.

Redaktion: Wie können Künstler/innen teilnehmen?

Künstler/innen, die sich in die Liste "Teilnehmende Künstler" aufnehmen lassen möchten, können dies ganz unbürokratisch tun: Einfach eine Reihe von Informationen per E-Mail an bilderpool.org (kontakt@bilderpool.org )schicken. Der Eintrag ist kostenfrei; eine gewisse künstlerische Professionalität vorausgesetzt; eine Jury, die über Aufnahmen entscheiden würde, gibt es allerdings nicht.

Die für den Eintrag benötigte Daten sind: Künstlername, Kurzbeschreibung des Gesamtwerkes (max. 7 Worte), PLZ Ort, Website, Email, Telefon, Bild (40 x 40 px, Format: .jpg oder .gif (z. B. Logo)

Redaktion: Wie ist die Kunstvermittlung eingebunden?

KS:Komplexe Gestaltungsaufgaben oder sehr große Projekte erfordern kompetente Beratung. Aus diesem Grund gibt es seit Herbst 2005 auf bilderpool.org eine Liste professioneller Berater/innen und Anbieter/innen von speziellen Kunstsammlungen. Die Aufnahme in die Liste "Kunstsammlungen und Beratung" ist kostenpflichtig. Der Jahresbeitrag ist als steuerlich absetzbare Spende an eine als gemeinnützig anerkannte Hilfsorganisation zu zahlen.

Redaktion: Was ist Ihre Vision für Bilderpool? Was ist Bilderpool in fünf Jahren?

KS: Meine Vision ist, dass die Plattform bilderpool.org dazu beiträgt, Kunst näher zu den Menschen zu bringen und ganz allgemein die Idee der Kunstvermietung, die eigentlich noch für viele recht ungewohnt ist, populär zu machen. Dabei ist und soll bilderpool.org non-profit und ein grassroots-Projekt bleiben. Das heißt, ich habe auf absehbare Zeit nicht vor, kostenpflichtige Dienste einzuführen. Seit einem Jahr steht die Plattform auch auf Englisch bereit, und ich verlinke gerne auf ausländische Kooperationspartner.

Ich finde einfach, dass Kunstvermietung wunderbarer Weg ist, um den Kontakt zwischen Künstler/innen und kunstinteressiertem Publikum zu ermöglichen, idealerweise innerhalb derselben Stadt. Vielleicht entdeckt so manche Bürger/in dann, dass sie/er Künstler/innen als Nachbarn hat, und es manchmal sogar in der eigenen Strasse Ateliers gibt. Denn Kunst ist um uns, und die Künstler/innen sind unter uns...

Redaktion: Vielen dank Frau Soika, für das Interview!

2006 BP, www.vertikult.de